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Rettichwurzel-Filtrat in Kosmetik - Was steckt dahinter?

Zwei Frauen tragen Hautpflege auf. Die linke Frau mit gelben Nägeln tupft sich etwas auf die Wange. Die rechte Frau zeigt auf ihre Haut, die mit Leuconostoc/Radish Root Ferment Filtrate behandelt wurde.

Leuconostoc/Radish Root Ferment Filtrate ist einer dieser Stoffe, die in der Zutatenliste unscheinbar wirken, in der Formulierung aber eine ziemlich konkrete Aufgabe übernehmen. Es handelt sich um ein fermentbasiertes Rettichwurzel-Filtrat, das vor allem wegen seiner antimikrobiellen Rolle eingesetzt wird, manchmal aber auch einen leichten konditionierenden Effekt auf Haut oder Haar mitbringt. Ich ordne es deshalb nicht als klassischen Pflegewirkstoff ein, sondern als funktionalen Baustein, den man immer zusammen mit der restlichen Rezeptur lesen sollte.

Die wichtigsten Punkte zu fermentiertem Rettichwurzel-Filtrat

  • Der Stoff entsteht aus fermentierter Rettichwurzel, die anschließend filtriert wird, also ohne lebende Bakterien im Endprodukt.
  • In Kosmetik wirkt er vor allem antimikrobiell und kann das Konservierungssystem unterstützen.
  • Er taucht häufig in leave-on-Produkten, Reinigern, Augen-Make-up und Haarpflege auf, meist in niedrigen Mengen.
  • Einzeltests klingen beruhigend, aber die Gesamtformel entscheidet über Stabilität und Hautverträglichkeit.
  • Wer INCI-Listen liest, sollte auf die Position des Stoffes, die Kombinationspartner und die Verpackung achten.

Was hinter dem fermentierten Rettichwurzel-Filtrat steckt

Der Name klingt technisch, ist aber gut zu zerlegen. Ausgangspunkt ist Raphanus sativus, also Rettichwurzel. Diese wird mit Leuconostoc-Bakterien fermentiert, anschließend wird die Flüssigkeit filtriert und stabilisiert. Im Endprodukt steckt deshalb nicht einfach „Rettich“, sondern ein technisch aufbereiteter Rohstoff, der aus dem Fermentationsprozess stammt.

Wichtig ist mir hier eine Klarstellung: Es handelt sich nicht um ein Probiotikum im klassischen Sinn. Im Tiegel leben keine aktiven Kulturen, sondern es bleibt das Filtrat mit den während der Fermentation entstandenen Stoffwechselprodukten zurück. Genau diese Unterscheidung macht in der Praxis einen Unterschied, weil der Rohstoff nicht wegen „lebender Mikroben“ interessant ist, sondern wegen seiner funktionellen Bestandteile.

Der Begriff „Filtrat“ heißt also schlicht: Nach der Fermentation wird festes Material entfernt, damit ein klarer bis leicht getrübter, flüssiger Rohstoff übrig bleibt. Das ist für Kosmetik wichtig, weil sich solche Ausgangsstoffe besser dosieren, mischen und in wasserbasierten Formeln einsetzen lassen. Damit ist auch schon der Übergang zur eigentlichen Frage klar: Was macht dieser Stoff im fertigen Produkt?

Wie der Inhaltsstoff in Kosmetik wirkt

In der Formulierung übernimmt das Rettichwurzel-Fermentfiltrat vor allem eine antimikrobielle Rolle. Vereinfacht gesagt soll es dazu beitragen, dass sich unerwünschte Mikroorganismen schlechter vermehren und die Formulierung länger stabil bleibt. Je nach Produkt kann es außerdem als leichter Skin- oder Hair-Conditioning-Baustein eingesetzt werden, also als Stoff, der das Haut- oder Haargefühl etwas abrundet.

Ich würde den Rohstoff aber nicht als Wundermittel verkaufen. Er kann Teil eines Konservierungssystems sein, ersetzt dieses aber nicht automatisch. In der Praxis zeigt sich der Unterschied sehr gut: Eine neuere Formulierungsstudie mit einem radish-root-ferment-basierten System erreichte eine 3-Log-Reduktion bei Bakterien nach 7 Tagen und eine 2-Log-Reduktion bei Pilzen nach 14 Tagen. Das ist stark, weil 3-Log bereits 99,9 % entspricht. Trotzdem gilt: Solche Ergebnisse sind immer an eine konkrete Rezeptur gebunden und nicht pauschal auf jedes Produkt übertragbar.

Funktion Was das praktisch bedeutet Wo die Grenze liegt
Antimikrobiell Kann helfen, das Wachstum unerwünschter Keime zu hemmen. Allein nicht automatisch ausreichend für jede wasserreiche Formel.
Konditionierend Kann Haut oder Haar etwas glatter und ausgeglichener wirken lassen. Der Effekt ist meist dezent und kein Ersatz für Feuchthaltemittel.
Konservierungsunterstützung Kann andere Konservierungsbausteine ergänzen. Die Formel muss trotzdem als Ganzes getestet und abgesichert werden.

Genau deshalb ist der Stoff interessant: Er ist funktional, modern und passt gut zu Formulierungen, die auf fermentbasierte Rohstoffe setzen. Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick darauf, in welchen Produktarten man ihn am ehesten findet.

Kombucha-Flasche mit Etikett, daneben eine Schüssel mit weißer Creme, getrocknete Orangen und ein Handtuch. Leuconostoc/Radieschenwurzel-Fermentfiltrat für die Hautpflege.

In welchen Produkten es am ehesten auftaucht

Am häufigsten begegnet mir das fermentierte Rettichwurzel-Filtrat in leave-on-Produkten wie Cremes, Lotionen, Seren oder leichten Emulsionen. Auch Reiniger, Augen-Make-up, Sprays sowie Haar- und Kopfhautprodukte können es enthalten. Das passt gut zu seinem Profil: wasserbasierte Formeln brauchen eine zuverlässige Stabilität, und genau dort kann der Rohstoff einen Beitrag leisten.

Aus einer Sicherheits- und Nutzungsauswertung geht hervor, dass der Stoff in 255 Formulierungen gemeldet wurde, davon 104 leave-on-Moisturizing-Produkte. Für den Alltag ist aber weniger die absolute Zahl spannend als die typische Einsatzmenge: In Reinigungsprodukten wurden bis zu 1,1 % berichtet, in Gesicht-Hals-Sprays bis zu 0,03 % und in anderen Augen-Make-up-Produkten bis zu 0,01 %. Das sind sehr niedrige Werte, die zeigen, wie fein dosiert dieser Stoff meist eingesetzt wird.

Produkttyp Typische Rolle Worauf ich dabei achte
Cremes und Lotionen Stabilitätsbaustein und leichte Pflegeunterstützung Ob die Gesamtformel auch ohne Duftstofflast oder starke Reizstoffe auskommt
Reinigungsprodukte Unterstützt Haltbarkeit in wasserreichen Rezepturen Ob die Formulierung trotz kurzer Kontaktzeit sauber abgesichert ist
Augen-Make-up Sehr zurückhaltender Einsatz in sensiblen Produktarten Wie vorsichtig die übrigen Rohstoffe gewählt sind
Shampoo und Kopfhautpflege Kann in Richtung Antimikrobielles und Conditioning gehen Ob die Kopfhaut zusätzlich durch Duftstoffe oder Alkohol belastet wird

Die Nutzungsdaten machen vor allem eines deutlich: Der Rohstoff wird meist nicht als alleinige Lösung eingesetzt, sondern als Teil eines Systems. Damit ist der nächste Punkt entscheidend: Für wen ist so etwas sinnvoll, und wann sollte man genauer hinschauen?

Für wen es sinnvoll ist und wann ich vorsichtig wäre

Für Menschen, die gern natürliche oder fermentbasierte Formeln nutzen, ist der Stoff durchaus interessant. Er passt gut zu Produkten, die auf eine eher moderne, botanisch inspirierte Rezeptur setzen, ohne komplett auf Funktion zu verzichten. Wenn ein Produkt nicht nur „natürlich“ wirken soll, sondern auch technisch sauber gebaut ist, kann dieser Rohstoff ein sinnvoller Teil davon sein.

Bei empfindlicher oder stark reaktiver Haut würde ich trotzdem nicht blind vertrauen, nur weil ein Stoff fermentiert ist. In Tests mit 50 beziehungsweise 105 Probanden wurden keine Sensibilisierungen beobachtet, und auch Irritationen fielen nicht auf. Das ist beruhigend, aber es bleibt eine Frage der Gesamtformel: Duftstoffe, ätherische Öle, starke Säuren oder ein ungünstiges Verpackungssystem können viel mehr Probleme machen als dieses Fermentfiltrat selbst.

Ich würde bei Leave-on-Produkten, vor allem im Gesicht und rund um die Augen, immer einen kleinen Verträglichkeitstest machen. Bei gereizter Hautbarriere ist das noch wichtiger, weil dann jede neue Formulierung sensibler reagiert. Wer hier vorsichtig ist, vermeidet die typischen Fehlurteile, die bei modernen „clean beauty“-Produkten schnell passieren.

Damit ist klar: Nicht der Name allein entscheidet, sondern die Rolle des Stoffes in der gesamten Rezeptur. Genau so lese ich auch die INCI-Liste.

Wie ich ihn in der INCI-Liste einordne

In der EU werden Inhaltsstoffe in der Regel nach absteigender Menge gelistet; Stoffe unter 1 % können danach in beliebiger Reihenfolge stehen. Das ist für die Bewertung praktisch, weil man aus der Position in der Liste oft zumindest grob ableiten kann, ob ein Stoff eher eine Hauptrolle oder eher eine Nebenrolle spielt. Steht das fermentierte Rettichwurzel-Filtrat weit hinten, ist die eingesetzte Menge meist eher niedrig.

Wichtiger als der bloße Name sind für mich die Nachbarn in der Liste. Wenn ich weitere Konservierungsbausteine sehe, etwa organische Säuren, Alkohol, Benzoate oder andere fermentbasierte Rohstoffe, lese ich das als Hinweis auf ein bewusst aufgebautes Mehrfachsystem. Fehlen solche Partner in einer sehr wasserreichen Formel, werde ich skeptischer. Eine Zutat mit gutem Image ist noch kein stabiler Produktkern.

  • Steht der Stoff früh in der Liste? Dann ist seine Menge eher relevant, aber das sagt noch nichts über die Gesamtqualität aus.
  • Steht er spät in der Liste? Dann erfüllt er wahrscheinlich eher eine unterstützende Funktion.
  • Ist das Produkt wasserreich? Dann ist ein robustes Konservierungssystem besonders wichtig.
  • Ist die Verpackung airless oder pumpbasiert? Dann sinkt das Risiko zusätzlicher mikrobieller Belastung oft deutlich.

Ich verlasse mich deshalb nie auf ein einzelnes INCI-Element. Erst die Position im Gesamtbild verrät, ob der Rohstoff nur ein kosmetischer Namensgeber ist oder ob er wirklich einen funktionalen Beitrag leistet. Von dort ist es nicht weit zum Vergleich mit klassischen Konservierern.

Worin es sich von klassischen Konservierern unterscheidet

Der größte Unterschied liegt nicht in der Idee, sondern in der Planbarkeit. Klassische Konservierer sind oft besser standardisiert und in schwierigen Formeln leichter vorhersehbar. Fermentbasierte Rohstoffe wirken dagegen oft markenkonform, sanft positioniert und clean-beauty-freundlich, brauchen aber eine sauber abgestimmte Rezeptur. Beides hat seinen Platz.

Aspekt Fermentiertes Rettichwurzel-Filtrat Klassische Konservierer
Hauptrolle Antimikrobieller Baustein mit Zusatznutzen Klare Haltbarkeitsabsicherung
Planbarkeit Stark abhängig von der übrigen Formel Oft besser vorhersagbar
Positionierung Passt gut zu natürlicher oder fermentbasierter Kosmetik Technischer, weniger „natürlich“ wahrgenommen
Stärke in der Praxis Kann sehr sinnvoll sein, wenn das System stimmig ist Häufig robuster bei anspruchsvollen Rezepturen
Risiko Zu hohe Erwartungen an ein einzelnes Rohmaterial Zu pauschale Abwertung, obwohl es oft sehr zuverlässig ist

Mein Fazit an dieser Stelle ist schlicht: Natürlich ist nicht automatisch besser, und klassisch ist nicht automatisch schlechter. Entscheidend ist, ob das Produkt im Alltag stabil bleibt, gut vertragen wird und zur eigenen Haut passt. Genau deshalb lohnt sich zum Schluss ein ganz praktischer Blick auf die Kaufentscheidung.

Was ich beim Kauf mit diesem Inhaltsstoff prüfen würde

  • Ich schaue zuerst auf die INCI-Position: weit hinten bedeutet meist niedrige Menge und eher unterstützende Funktion.
  • Ich prüfe, ob das Produkt zusätzlich andere Konservierungsbausteine enthält, statt nur auf einen guten Namen zu setzen.
  • Ich achte auf die Produktart: Bei Augen-, Spray- oder sehr wasserreichen Formeln bin ich strenger als bei einer einfachen Bodylotion.
  • Ich lese die Claim-Sprache kritisch: „fermentiert“ klingt gut, sagt aber noch nichts über Haltbarkeit oder Verträglichkeit.
  • Ich teste neue Leave-on-Produkte vorsichtig an einer kleinen Stelle, besonders wenn meine Haut gerade gereizt ist.

Wenn diese Punkte stimmen, ist fermentiertes Rettichwurzel-Filtrat meist kein spektakulärer, aber ein sehr vernünftiger Rohstoff. Es bringt keine große Show, sondern einen stillen, funktionalen Beitrag: mehr Formulierungslogik, oft eine angenehmere Positionierung und in gut gemachten Produkten eine echte technische Hilfe.

Häufig gestellte Fragen

Es ist ein aus Rettichwurzel und Leuconostoc-Bakterien gewonnenes Filtrat, das durch Fermentation entsteht. Es enthält keine lebenden Bakterien, sondern deren Stoffwechselprodukte, die in Kosmetikprodukten wirken.

Hauptsächlich wirkt es antimikrobiell und unterstützt die Stabilität der Formulierung. Es kann auch leichte konditionierende Effekte auf Haut und Haar haben, ist aber kein primärer Pflegewirkstoff.

Nein, es ist kein klassisches Probiotikum. Das Endprodukt ist ein Filtrat ohne lebende Mikroorganismen, das die während der Fermentation entstandenen funktionellen Bestandteile enthält.

Man findet es oft in Leave-on-Produkten wie Cremes, Seren, Lotionen, aber auch in Reinigern, Augen-Make-up und Haarpflegeprodukten. Es wird meist in geringen Mengen eingesetzt, um die Haltbarkeit zu unterstützen.

Einzeltests zeigen keine Sensibilisierungen oder Irritationen. Die Verträglichkeit hängt jedoch immer von der Gesamtformulierung ab. Bei empfindlicher Haut sollte man neue Produkte vorsichtig testen.
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Autor Kunigunde Wiedemann
Kunigunde Wiedemann
Mein Name ist Kunigunde Wiedemann, und ich bringe 11 Jahre Erfahrung in der natürlichen Hautpflege, Wellness und Kosmetik mit. Mein Interesse an diesen Themen begann, als ich nach sanften und effektiven Lösungen für meine eigene Hautpflege suchte. Diese Suche hat mich nicht nur dazu inspiriert, mehr über die Inhaltsstoffe und deren Wirkungen zu lernen, sondern auch, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der eigenen Haut einzugehen. In meinen Artikeln teile ich mein Wissen über die neuesten Trends, hilfreiche Tipps und bewährte Methoden, um die Haut auf natürliche Weise zu pflegen. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren und verständlich aufzubereiten. Mein Ziel ist es, meinen Lesern nützliche und aktuelle Inhalte zu bieten, die ihnen helfen, informierte Entscheidungen für ihre Hautpflege zu treffen. Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit Ihnen zu teilen und Sie auf Ihrem Weg zu einer gesunden Haut zu unterstützen.
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